Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 170. Band, (Jahrgang 1913)

Die kaiserliche Exklusive im Konklave Innozenz XIII. 
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des Konsistorialarchivs zu publizieren, ist aus einem Umstande 
zu erklären, auf welchen Eisler seihst hinweist. Nämlich aus 
dem Umstande, daß das Konsistorialarchiv an Quellenmaterial 
zur Geschichte des Exklusionsrechts überaus arm ist. 1 Da 
aber dieses Quellenmaterial nun einmal in einem wissenschaft 
lichen Buche über das Exklusionsrecht für ,wichtig' erklärt 
wurde und überdies das Konsistorialarchiv bisher zu den 
schwer zugänglichen päpstlichen Archiven gehörte, so möchte 
ich hier eingehender, als Eisler es getan hat, über dasselbe 
berichten und seine Darstellung zugleich in etlichen Punkten 
ergänzen. 
Das Kardinalkollegium besitzt bekanntlich keine eigene, 
selbständige Regierungsgewalt in der katholischen Kirche, aber 
es obliegt ihm die Fortführung der laufenden Agenden des 
Kirchenregiments während der Vakanz des päpstlichen Stuhles. 
Bis zum Jahre 1870 oblag ihm auch die provisorische Ver 
waltung des Kirchenstaates. Das Kardinalkollegium hat sonach 
insbesondere die kirchlichen und staatlichen Würdenträger in 
und außerhalb Roms vom Tode des Papstes zu verständigen, 
die abwesenden Kardinäle zur Wahl des Nachfolgers einzu 
laden und dieselbe durchzuführen, die Exequien für den ver 
storbenen Papst zu zelebrieren, die Einrichtung des Konklaves 
vorzubereiten, Kongregationen abzuhalten, Audienzen zu er 
teilen, die amtliche Korrespondenz mit den Nuntiaturen, nicht 
minder den konventionellen Verkehr mit den katholischen Höfen 
fortzuführen, die zahlreichen während der Sedisvakanz ein 
laufenden Beileids- und sonstigen Schreiben in Empfang zu 
1 Wenn Eisler, 1. c., S. 151, behauptet, daß er nach genauer Durchsicht 
der gesamten Akten für den Zeitraum von 1666—1775 auch nicht ein 
Stück gefunden habe, ,welches die Geschichte oder die Ausübung der 
Exklusive erwähnen würde“, so geht diese Behauptung allerdings über 
die Tatsachen hinaus, denn der Band C. 2980 (betreffend die Wahlbulle 
Klemens XII.) enthält ja eben, wie ich nachgewiesen habe, Material 
zur Geschichte der Exklusive. Und auch die unsignierten Bände über 
das Konklave Innozenz XIII. und Benedikt XIII. bringen darüber 
mancherlei Notizen, deren Wert freilich nicht groß ist. Nicht minder 
findet sich in der Gruppe der Konklavenberichte die Exklusive natür 
lich oft genug erwähnt. Im’großen und ganzen jedoch ist allerdings 
daran festzuhalten, daß das Konsistorialarchiv für die Geschichte der 
Exklusive wenig Bedeutung besitzt.
	        
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