Full text: Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 170. Band, (Jahrgang 1913)

Die kaiserliche Exklusive im Konklave Innozenz XIII. 
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dienen; ist sie ja doch gefunden unter stillschweigender Mit 
wirkung des Kardinalkollegiums. Das darf nicht übersehen 
werden. Das Vorgehen Althanns war ein ganz auffälliges und 
ungewöhnliches, es schuf einen kritischen Moment erster Ord 
nung. So wie Kardinal Barberini das empfand, werden es die 
übrigen Wähler auch empfunden haben. Hier galt es zu han 
deln. Und sollte die Freiheit der Wahl gewahrt bleiben, dann 
war die kaiserliche Exklusive in dieser Form als Anmaßung 
zu bezeichnen, war dem Protest Althanns ein Protest des 
heil. Kollegiums entgegenzustellen. Aber nirgends finden wir 
darüber eine Andeutung in den Berichten. Und sogar der 
Versuch, das Skrutinium äußerlich zu Ende zu führen, scheint 
mißlungen zu sein. 
Es fehlt nicht an Autoren, die, wie Eisler dies neuestens 
tut, die Bedeutung solcher Tatsachen zunächst praktisch an 
erkennen und hinterher theoretisch zu entwerten suchen. Sie 
sprechen von ,Utilitätsgründen‘, von der ,Konnivenz“ des Kar 
dinalkollegiums, von der ,Toleranz“ der Kurie und davon, daß 
es sich hier ja nur um einen ,Mißbrauch“ handle. 1 Denjenigen, 
welche mit solchen und ähnlichen Schlagworten der staatlichen 
Exklusive den Charakter einer gewohnheitsrechtlichen Übung 
bestreiten, ist mit den Worten eines von Eisler selbst auf 
gefundenen und mitgeteilten handschriftlichen Traktats aus 
dem Jahre 1775 2 zu erwidern, daß der Grund für die In 
anspruchnahme des Exklusionsrechts ,nur in einem fehlerhaften 
Verhalten des heiligen Kollegiums“ liegt. 3 Wurden aber von 
seiten einer solchen Körperschaft Fehler begangen, so müssen 
deren Konsequenzen wohl auch von der Kirche getragen wer 
den. Es geht nicht an, das Kardinalkollegium der römischen 
verwendete, daß man aber dort bedauerte, ihm nicht dienen zu können, 
da Paolucci im vorigen Konklave die kaiserliche Exklusion erhalten 
habe und man niemand inkludieren dürfe, der bereits einmal exkludiert 
worden sei (fol. 46). 
1 Eisler, 1. c., SS. 1S3, 195, 276, 287. 
2 Bibi. Vittor. Einman. Fondo Gesuitico, Cod. 196—2326, fol. 223. Ohne 
Titel. Inc.: ,Io non sono contento di me stesso . . .‘ Eisler, 1. c., 
S. 205—206. 
3 ,Denn anstatt von allem Anbeginn einem derartigen Ansinnen der 
Mächte mit Kraft und Entschlossenheit entgegenzutreten, wie es Pflicht 
jedes einzelnen Kardinals gewesen wäre, hatten einzelne Mitglieder des
	        
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