Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 170. Band, (Jahrgang 1913)

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X. Abhandlung: Maliniak. 
Formulierung' des appetitus societatis sich ergibt (es sei erwähnt, 
daß bei Aristoteles der Staatsbetrieb einfach aus der die Natur 
beherrschenden Zweckmäßigkeit spekulativ abgeleitet wird; unten 
S. 121 ff., 127, N. 2), für die organologische Staatsauffassung, für 
sein Verhalten zu der Frage der Wertschätzung des menschlichen 
Individuums, zur Sklaverei und zum gerechten Krieg; anläßlich 
des letzten muß hervorgehoben werden, daß es nicht nur hu- 
manischer, sondern auch staatsmännischer als das aristotelische 
ist. Angesichts dieser bedeutungsvollen zwischen Aristoteles 
und Modrevius obwaltenden Verschiedenheiten muß Kots 
Behauptung, ,Frycz sei ein Aristoteliker durch und durch 1 
(nawskros), 1 als unstichhaltig erscheinen. Auch die Würdigung, 
die Kot der Abhängigkeit Modrevius’ von Cicero zuteil 
werden läßt, ist ebenfalls ganz irreführend (unten S. 137). Diese 
Mängel der Auffassung von Kot rühren davon her, daß er die 
entscheidenden Momente der Theorien des Aristoteles und 
Ciceros — nämlich die anthropozentrische Naturteleologie und 
den appetitus societatis — ganz unberücksichtigt läßt und, wie 
es scheint, weder ihrer Bedeutung, noch ihres Daseins in den 
genannten Theorien bewußt ist. — Nur in der Lehre von den 
Staatsformen weist Modrevius eine Abweichung auf, die seiner 
Staatsauffassung nicht zum Vorteil gereichen kann (unten S. 157 f.). 
— Eine Abweichung von Aristoteles konnte es in Polen Mitte 
des 16. Jahrhunderts kaum in einer andern Richtung geben. 
Schon hundert Jahre früher verspottete der Lemberger Bischof (!) 
Gregor aus Sanok (f 1477) die Scholastik als vigilantium 
somnia. 2 
Die Gliederung des Werkes des Modrevius ward durch 
zwei naturrechtliche intellektualistische Momente bestimmt. Vor 
allem durch die atomistisch-rationalistische Auffassung der Ge 
sellschaft und des Staates, nach welcher das Schicksal der 
Sozialität nur von innen, durch die Summe der Einzelbetätigun 
gen der Verbandsangehörigen determiniert wird. Benimmt sich 
jedes Individuum ,sittlich 1 , so ist damit die Glückseligkeit der 
Gemeinschaft unumstößlich fundiert. Die Kenntnis der spon- 
1 Kot, Der Einfluß der antiken politischen Ansichten auf Andreas Frycz 
aus Modrzew (Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften zu 
Krakau, Bd. 16, Nr. 2, S. 17, 1911). 
2 Chmielowski, Geschichte der polnischen Literatur, Bd. I, S. 95, 1889-
	        

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