Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 165. Band, (Jahrgang 1910)

Das Originalregister Gregors VII. — I, 2 b. 
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sogenannten neunten Buches, die der Herausgeber als An 
hang des achten ansah und behandelte, den Pontifikatsjahren 
IX—XI des Papstes zuzuschreiben. 
Jedes der drei Stücke dieses zwölften Buches hat un 
zweifelhaften , auf den ersten flüchtigen Blick in die Augen 
fallenden Neuansatz; der letzte Brief hört fol. 2c57 b in der Mitte 
ohne jegliches Schlußzeichen auf, als wäre er abgebrochen, 
wie es ja auch Jaffe im Texte angenommen hatte. 
b. Würdigung und Wertung der Beobachtungen. 
Denifle scheint — wenigstens bezüglich der Register 
bände Innozenz III. —• ähnlichen Erscheinungen wie den oben 
besprochenen so ziemlich jede weitere Bedeutung aberkennen 
zu wollen. Er erwartet von einem Originalkanzleiregister 
,einen häufig eintretenden Wechsel der Tinte und Hände 1 . 1 
Allerdings spricht er von einer Zeit, in der die päpstliche 
Kanzlei, soweit wir wissen, reicher gegliedert war. Aber die 
durchaus aphoristisch formulierte und gestellte Forderung 
scheint nicht bloß in sich unbegründet, sondern geradezu auf 
falschen Annahmen beruhend. Bereits E. v. Ottenthal hatte 
den richtigen Weg gewiesen, indem er sagte: ,. . . die im 
Vatikanischen Archiv aufbewahrten Registerbände . . . 
bilden die konkrete Grundlage, aus der die theoretischen, 
leitenden Regeln für die Registerführung zu abstrahieren sind.' 2 
Woher wissen wir sodann, daß mehrere Schreiber in der 
päpstlichen Kanzlei gleichzeitig und nebeneinander mit der 
Führung des nämlichen Registers betraut waren? Denifles Be 
rufung auf Kaltenbrunner rettet ihn nicht, denn dessen Unzu 
verlässigkeit hat er ja selbst zur Genüge dargetan, und daß 
in dieser Einzelfrage Kaltenbrunner ebenso wenig Autorität 
war wie in den meisten übrigen, werden wir weiter unten noch 
sehen. — War aber einem Registrator die Eintragung der 
Briefe in das Register anvertraut, so fällt von selbst die Mög 
lichkeit eines Wechsels der Hände — es sei denn etwa in 
einem Ausnahmsfall. Auch das hatte Ottenthal bereits ganz 
1 A. a. O. (Arth. Lit. Itirchengesch. II) 63. 
2 A. a. 0. (MIöG Erg. I) 401.
	        

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