Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 165. Band, (Jahrgang 1910)

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V. Abhandlung: Peit,z. 
Erwägungen ihren Ursprung verdankte. — Jaffe behauptet — 
nach den Angaben, die ihm Giesebrecht geliefert hatte — die 
ursprüngliche Zahl sei X gewesen (J 516“). Mit Unrecht., 
Ganz deutlich lassen sich die Spuren der ersten roten Zahl 
verfolgen. An erster Stelle stand ein X; rechts daneben ist 
ganz unzweideutig Kopf und Ansatz eines Einer-Striches wahr 
zunehmen; noch etwas weiter nach rechts zeigt sich mehr 
gegen unten hin der Rest eines anderen roten Striches, der 
nicht zu jenem I gehört haben kann, von dem aber nur mehr 
Spuren vorhanden sind. Daß es sich nicht um den Punkt 
handelt, der ursprünglich nach der Zahl gesetzt war, ist ganz 
sicher: denn weiter nach außen, rechts neben dem jetzigen 
XI, sieht man deutlich den ursprünglichen roten Schlußpunkt 
der radierten ersten Zahl. Soviel ist also gewiß: es stand auf 
keinen Fall liier X dort, wie Jaffe annimmt. Daß die erste 
Lesung auch nicht XI lautete, scheint wohl gleichfalls einzu 
leuchten. Warum hätte ein XI radiert werden sollen, um von 
neuem die gleiche Zahl einzusetzen? Nach dem Schriftbefund 
scheint nur eine einzige Erklärung möglich zu sein: die erste 
Zahl hieß weder X noch XI, sondern XII. Erst ein viel 
sj>äterer Benutzer nahm die Änderung vor, deren Grundlage 
rein subjektive theoretische Erwägungen bildeten: Auf das 
achte Buch mußte ordnungsmäßig Buch IX folgen, wie dies 
der Nachtrag am obersten Rande von fol. 214 a : Ex libvo vmj ... 
bereits angenommen hatte. Dann mußte aber folgerichtig das 
nächste Buch das zehnte sein — und so verbesserte der Kor 
rektor auch wirklich. Dann aber bemerkte er, daß in der 
zweiten Zeile des sich anschließenden Protokolls geschrieben 
stand Pontificatus . . . domni Gregorii papae ■ VII ■ anno ■ XI •, 
wo die am Schlüsse der nicht ganz ausgefüllten Zeile etwas 
isoliert stehende klare römische Zahl die Aufmerksamkeit er 
regen mußte. Er änderte also seine Korrektur zu XI um. — 
Welche Konsequenzen sich aus diesem Tatbestand ergeben, 
darüber wird im letzten Teile der Untersuchung eingehender 
zu handeln sein. Jedenfalls sind wir wohl berechtigt, ja ge 
nötigt — wollen wir anders auf dem Boden der objektiven 
Überlieferung bleiben und nach den gesunden Regeln kritischer 
Forschung Vorgehen — die drei letzten Stücke des Re 
gisters als Bue h XII zu bezeichnen und die Briefe des
	        

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