Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 164. Band, (Jahrgang 1909)

Wilhelm von Schröder. 
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werden. Allenthalben sieht man die Tendenz, einheitliche Rechts 
und Verwaltungsgrundsätze für den Gesamtkomplex der Länder, 
ein einheitliches Österreich unter absoluter Leitung der Krone 
zu schaffen. Lobkowitz, Montecuccoli und vor allen der Hof 
kanzler Hocher, sie sind die harten und überzeugtesten Schritt 
macher des Leopoldinischen Absolutismus, des erstehenden 
Beamtenstaates, der den Feudalstaat in Österreich überwindet 
und die Bahn zum Polizei- und Militärstaate ebnet. In der 
unbedingten Wertung der Staatsräson, der Nichtachtung des 
historischen positiven Sonderrechtes, der Alleinschätzung des 
unbeschränkten Monarchenrechtes, darf ihnen Schröder als lite 
rarischer Mitkämpfer zur Seite gestellt werden. 1 — 
Schon der Begründer der Theorie vom absoluten Fürsten 
recht, zugleich der erste Finanztheoretiker, Jean Bodin, hat 
die Finanzen die Nerven des Staates genannt; 2 auch mit 
Schröders staatsrechtlichem System ist die Finanzlehre un 
trennbar verbunden. Nach Lorenz von Steins geistvollen Aus 
führungen, 3 hat das siebzehnte Jahrhundert Deutschland die 
führende Rolle in der Finanzwissenschaft durch Begründung 
der Steuerwissenschaft, ihrer Prinzipien und ihres Systems, zu 
gewiesen. Auf die Finanzepoche des ständischen Patrimonial- 
staates war im absoluten Frankreich eine staatswissenschaftliche, 
in Deutschland zunächst unter Einwirkung des römischen 
Hechtes eine juristische Finanzepoche gefolgt; erst mit der 
1 Man lese nur das angebliche Gutachten Hochers über die ungarische 
Magnatenverschwürung 1670—1671 (Archiv f. Kunde iisterr. Geschichts 
quellen, 8. Bd., S. 68 ff.; zur Frage des Verfassers vgl. O. Redlich in den 
Beiträgen zur neueren- Geschichte Österreichs, 4. Heft, Dezember 1908, 
S. 119 ff.) und man wird überraschende Übereinstimmung der hier ent 
wickelten Grundsätze mit den von Schröder in der Schatz- und Rent- 
kammer dargelegten Anschauungen finden. Noch stärker sind die An 
klänge an einzelne Sätze der oben, S. 34f., charakterisierten Dissertation 
Schröders, z. B. das harte Mortui non mordent; tarn Omnibus quam 
nnlli parcere crudele est, imo nulli parcit qui cunctis und anderes treten 
in jener mißglückten akademischen Probeschrift fast wörtlich gleich auf. 
Damit soll natürlich nur gesagt sein, daß eben derartige Ideen damals 
außerordentlich günstigen Boden und starke Verbreitung fanden. 
2 Vgl. Bruno Hildebrand, Die Nationalökonomie der Gegenwart und Zu 
kunft, 1. Bd. (Frankfurt a. M. 1848), S. 10 f. 
3 Deutsche Finanzwissenschaft im 17. Jahrh., Finanzarchiv, 1. Bd.; vgl. 
ferner Ad. Wagner, a. a. 0., S. 30 f.
	        
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