Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 164. Band, (Jahrgang 1909)

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I. Abhandlung: v. Srbik. 
Damals war ja eine breitere Schichte der Gesellschaft 
schon in den Besitz der allgemeinsten naturwissenschaftlichen 
Kenntnisse gelangt und dieser zumeist doch oberflächliche Firniß, 
mit dem die höheren sozialen Klassen prunkten, hat sicherlich 
Adel zur Blüte und günstigen Aufnahme des Charlatanismus 
heigetragen. 
Ein Jahrhundert vorher stand das Abenteuerliche noch 
in innerer, ungeAimllter und kaum zu vermeidender Verbindung 
mit der Wissenschaft. Damals begann die Menschheit, nach lan 
gem Stillstände oder geringem Fortschritte, unter Führung eines 
Galilei, Kepler, Baco wieder in die geheimen Kammern der 
Natur vorzudringen, ihre Lehren auf empirischem Wege zu er 
forschen, ihren Pfaden nachzugehen. Die primitivsten dieser 
Lehren waren noch nicht Gemeingut geumrden, die Theorie der 
Physik und Chemie stand in den Kinderschuhen, auch ehrlich for 
schendes Streben irrte oftmals uircersehens in das so nahe an 
grenzende Gebiet des haltlosen Spieles mit tatsächlich Unmög 
lichem ab, der aufkommende materialistische Sinn AA’ar noch 
innerlich mit der alten Supranaturalistischen Denloveise auch 
bei den meisten Forschern verbunden; Entdeckung steht neben 
dem Luftschlosse der selbsttrügerischen Spekulation und den 
Zusammenhang, den der eine mit fester Überzeugung mit den 
außer und über dem Menschen stehenden Kräften gefunden zu 
haben meinte, spiegelte der andere in gewinnsüchtiger Berech 
nung den Leichtgläubigen vor. So jagte damals, eben in der 
Zeit Newtons und Leibniz’, auch manch ehrlicher Forscher 
leeren Hirngespinsten nach und schwer fällt es oft, da nur die 
innere Überzeugung das Unterscheidungsmerkmal abgeben könnte, 
die wahren Männer der Wissenschaft und die geAAdnnsüchtigen 
Großsprecher zu trennen. 
Und doch hat gerade diese Epoche die Pioniere der Natur 
wissenschaft hervorgebracht und Erkenntnisse gezeitigt, deren 
Averbende Kraft die kommenden Generationen zu einer von 
den Schlacken des SchAAÜndelhaften befreiten Tätigkeit befähigte. 
Viele Jahrhunderte lang haben sich die Alchemisten, um nur 
das bezeichnendste Beispiel zu wählen, mit den Versuchen ab 
gegeben und sich und andere Wissentlich und umvissentlicli 
betrogen, künstlich unedle in edle Metalle zu verwandeln, das 
,Elixier“, die ,Tinktur“ zu finden; fruchtloses Bemühen, das
	        

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