Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 15. Band, (Jahrgang 1855)

SITZUNG VOM 31. JÄNNER 1855. 
Oelescus 
Die Bevölkerungsverhältnisse Österreichs im vorigen Jahr 
hundert im Vergleiche mit jenen der neuern Zeit. 
Von J. Yincenz (rochiert, 
Beamten im k. k. statistischen Bureau. 
Obwohl schon im Jahre 1762 die summarische Darstellung der 
in jedem Jahre Getrauten, Geborenen und Gestorbenen von Seite der 
Staatsverwaltung als wünschenswert anerkannt wurde und in eini 
gen Provinzen auch zur Ausführung gekommen ist, so blieh es doch 
erst der allumfassenden Thätigkeit Kaisers Joseph Vorbehalten, eine 
sichere Grundlage zu derlei Nachweisungen durch gleichförmige An 
lage der Kirchenbücher nach einem einheitlichen Schema zu erzielen 
und dadurch die Zusammenstellung einer Hauptübersicht in dieser 
Beziehung zu ermöglichen. 
In dem am 20. Februar 1784 erlassenen Patente *) wurde den 
Seelsorgern die Verpflichtung auferlegt, über ihren Sprengel ein 
Trauungsbuch, ein Geburts- und ein Sterbe-Register zu führen und 
daraus einen Auszug zur Mittheilung an die betreffenden Behörden all 
jährlich zu verfassen. Die für diese Nachweisungen vorgeschriebene 
1 ) In diesem Patente heisst es: „Die Register über Trauung-, Geburt und Sterben sind 
„sowohl in Ansehen der öffentlichen Verwaltung, als der einzelnen Familien von 
„grosser Wichtigkeit. Die öffentliche Verwaltung erhält daraus über das Verhältniss, 
„über die Vermehrung oder Verminderung der Ehen, über den Zuwachs oder Abgang 
„der Geborenen, über die vergrösserte oder verminderte Sterblichkeit nützliche 
„Kenntnisse. Einzelnen Familien dienen sie in mehr als einer Angelegenheit zu bewei 
senden Urkunden, und nicht selten sind sie die Grundlage gerichtlicher Entschei 
dungen, von denen der Stand des Bürgers und ganzer Verwandtschaften abhängt. 
„Aus diesem Grunde sind Wir dem Wohl Unserer Unterthanen die Sorgfalt schuldig, 
„diesen Registern, deren Gestalt bis jetzt blos willkürlich, deren Glaubwürdigkeit 
„von einem einzelnen Menschen abhängig war, eine solche Einrichtung vorzuschreiben, 
„welche, da sie dieselben der Absicht des Staates brauchbarer macht, mit der allge 
meinen Glaubwürdigkeit zugleich die gesetzmässige Sicherheit vereinbaret“.
	        
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