Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 15. Band, (Jahrgang 1855)

Über des Joh. Amos Comenius Leben und Wirksamkeit in der Fremde. 
aus Polen vor Kurzem ein interessantes Material zu. Dasselbe besteht 
aus mehr als 120 Briefen des Comenius an verschiedene Personen 
und aus mehren an ihn. Eine nicht geringe Anzahl ist von des Come 
nius eigener Hand geschrieben, ein Theil hat sich im Concept erhal 
ten. Die anderen sind in einzelnen Theken auf seinen Befehl nieder 
geschrieben worden, wie dies aus Bandglossen die von ihm selbst 
herrühren, ersichtlich ist. Dazu kommt noch eine nicht unbedeutende 
Anzahl anderer Briefe vor und nach dem Tode des Comenius von Per 
sonen die der Brüdergemeinde angehörten, geschrieben, weiter 
mehrere Tractate, Synodalverhandlungen; zuletzt ein grösseres hand 
schriftliches Werk von dem Exulanten Felinus, welches in einer 
umfassenden Weise die Verhältnisse zwischen Comenius und dem 
Pseudopropheten Drabik behandelt. 
Das sämmtliche Material enthält nur Nachweise über die Zeit 
von 1630—80. Über die früheren Verhältnisse des Comenius ist darin 
nichts enthalten. Da mir die Benützung dieser sämmtlichen Schriften 
gestattet war, so beruht die nachfolgende Schilderung ganz auf den 
selben. 
Comenius wurde den 28. März 1592 in Mähren in der Nähe 
von Ungrisch-Brod geboren. Sein Vater war ein Müller. Er war den 
Brüdern zugethan, die überhaupt in dieser Gegend Mährens am dich 
testen beisammen sassen. Die Eltern starben ihm in der Kindheit weg, 
was die Vernachlässigung seiner Erziehung in der Jugend zur Folge 
hatte. Erst im 16. Jahre seines Alters kam er in eine lateinische 
Schule. Da er sich dem Priesterstande hei den Brüdern widmen 
wollte, reiste er im Jahre 1612 nach Herborn in Nassau, um da 
selbst die nöthige theologische Bildung sich anzueignen. Von dort 
ging er an die Universität Heidelberg und blieb da bis zum Jahre 
J. 1614. Nachdem er eine grosse Beise nach den Niederlanden 
gemacht hatte, kehrte er nochmals nach Heidelberg zurück. Hier 
verfiel er in eine Krankheit. Theils um sieh durch die Bewegung zu 
zeichneten Abriss der literarischen Thätigkeit des Com. veröffentlicht und nament 
lich mit grosser Mühe das vollständigste Verzeichniss seiner Schriften zusammen- 
gestellt, welches ich auf Grundlage des Briefwechsels nur um eine einzige zu 
vermehren im Stande bin. Auch über des Com. Schicksale hat er bis dahin das 
Ausführlichste mitgetheilt. Der Briefwechsel theilt nun aber bisher Unbekanntes 
mit, theils stellt er einiges in einem anderen Lichte, wie das Verhältnis des Com. 
zu Herrn Geer, dar.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.