Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 155. Band, (Jahrgang 1908)

Die Hundscliriften des Klostess Santa Maria de Eipoll. I. 
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werte Notizen mitgeteilt hat. 1 Altes Ripoller Gut ist ferner der 
jetzt unter Nr. 52 in Barcelona aufbewahrte Kodex; Einzeich- 
mmgen aus dem Anfang des 11. Jahrhunderts bezeugen deut 
lich diese Provienz. Der Hauptinhalt des Kodex, das Carmen 
des Johannes Diaconus, die Vita Gregorii von demselben und 
Gregors Homilien in Ezechielem samt der Expositio super 
cantica cantieorum, ist aber älter als diese Einzeichnungen und 
gehört bestimmt dem 10. Jahrhundert an. Das Gleiche gilt 
auch von der Handschrift Nr. 46, die bereits bei Besprechung 
der vor- und nachgebundenen sehr alten Fuero juzgo-Blätter 
erwähnt wurde. Der Kodex als solcher birgt Grammatisches, 
so Baeda, Donat u. a., sämtlich im 10. Jahrhundert, also in 
vorolivianischer Zeit aufgezeichnet. Einzelne Teile dieser Misch 
handschrift weisen schon vorbereitend auf den wesentlich er 
weiterten Kreis literarischer Interessen jener intellektuell reich 
bewegten Periode, die mit der Zeit des Hirtenamtes des 
Abtes Oliva zusammenfällt und unsere volle Aufmerksamkeit 
erheischt. 
Oliva, der dritte Sohn des gleichnamigen Grafen von Cer- 
dana und Besalü, Urenkel Wifreds, des Gründers von Ripoll, 
trat, noch nicht 32 Jahre alt, 2 als Mönch in das Kloster ein, wurde 
1008 zum Abt Ripolls, nach dem Tode Borrells, Bischofs von 
Vieh, zum Bischof dieser Kirche gewählt und war geraume 
Zeit auch Abt von Cuxa im Roussillon. Die durch lange Jahre 
entfaltete Wirksamkeit dieses 1046 verstorbenen Abtes ist die 
glänzendste, welche die Ripoller Klostergeschichte kennt, und 
bildet einen dankbaren Vorwurf für eine kirchen- und kultur- 
1 Auch sonst ist dieser Kodex, in dem wir eine wichtige Quelle für die 
Geschichte des Klosters verloren haben, wiederholt benützt worden, so 
z. B. von Pröspero de Bofarull in den Condes vindicados, Bd. I, 37, 97, 
106. 
2 ,Apenas contaba 32 anos‘ Pellicer y Pages, Santa Maria del Monasterio 
de Ripoll, p. 62. Das, so viel ich sehe, durch die bekannten Urkunden 
nicht belegte Datum der Geburt Olivas mag der Autor den Dokumenten 
des Kathedralarchivs von Vieh entnommen haben. Mit der Ansetzung 
der Geburt Olivas ins Jahr 971 würde ungefähr stimmen, daß ihn das 
Nekrologium zu Vieh ,in optima senectute* sterben läßt (Espana Sagrada 
XXVIII, 134). Die Angabe von Torres Amat, Memorias, p. 445: nacid 
al fin del siglo diez ist schon deshalb zu vag gefaßt, weil Olivas Vater 
(Cabreta), wie wir bestimmt wissen, 990 starb.
	        

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