Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 153. Band, (Jahrgang 1906)

VI. Abli.: Aptowitzer, Das Schriftwort in der rabbinischen Literatur. 
l 
VI. 
Das Schriffcwort in der rabbinischen Literatur. 
Prolegomena. 
Von 
Dr. V. Aptowitzer. 
(Vorgelegt in der Sitzung am 14. März 1906.) 
Einleitendes Vorwort. 
Die Frage, ob überhaupt etwas oder wie viel aus der 
talmudischen Literatur für die Textkritik der altt. Schriften 
gewonnen werden kann, ist in den letzten Jahrhunderten viel 
fach erörtert und verschieden beantwortet worden. 
Am interessantesten und für die Art der Behandlung 
dieser Frage charakteristisch sind folgende ihrer Formulierung 
nach diametral entgegengesetzte Behauptungen, aus denen jedoch 
die gleiche Beantwortung der Frage resultiert. Einer der 
besten Kenner der rabbinischen Literatur unter den älteren 
christlichen Gelehrten, der jüngere Buxtorf, behauptet, 1 daß 
zwar in der Gemara einige, aber ganz unbedeutende, in der 
Mischna hingegen gar keine (!) abweichende Lesarten zu linden 
wären. J. J. Biesenthal dagegen meint, 2 daß im Talmud ,die 
Zitate aus der Schrift immer(ü) mit Auslassung ganzer Wörter 
gemacht werden'. 
Gegenwärtig geht die Ansicht der meisten Gelehrten dahin, 
daß die talmudisch-midraschisch-rabbinische Literatur eine nicht 
unbedeutende textkritische Hilfsquelle abgeben könnte. 
Aber das, was bis jetzt auf diesem Gebiete geleistet 
wurde, läßt den textkritischen Wert dieser Literatur nicht er 
kennen, weil diese Frage zum Gegenstand einer gründlichen, 
1 Antieritica II cap. 12 S. 808. 
2 Das Trostschreiben des Apostels Paulas an die Hebräer S. 54. 
Sitzungsber. d. phil.-hist. Kl. CLLII. lid. G. Abh. 1
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.