Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 118. Band, (Jahrgang 1889)

Zur deutschen Kaiserpolitik Oesterreichs. 
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Könige sozusagen den Stulil nicht vor die Thür zu setzen, so 
müsse Hannover die gleiche Vorsicht walten lassen. Es hänge 
ja nur von Preussen ab, seine Truppen zusammenzuziehen, und 
alsbald würde an dem Cordon eine Lücke entstehen, die eine feind 
liche Ueberschwemmung Hannovers zur Folge haben müsste. 
Der 18. Juli rücke bald heran, d. i. der Zeitpunkt, zu dem die 
den Reichsständen zu ihrer näheren Erklärung gegönnten drei 
Monate abgelaufen sein würden. Er glaube zwar nicht, dass sich 
Hannover zur Annahme der Neutralität bestimmt erklären oder 
über sein Contingent, dessen Quintuplum dem kaiserlichen Hofe 
bezahlt werde, eine andere Verfügung treffen werde. Gleichwohl 
müsse doch im Voraus das nähere Reichsgutachten zu Stande ge 
bracht sein, damit wenigstens das Reich nicht in mora wäre. 
Im weiteren Verlaufe des Gespräches theilte Ompteda dem Con- 
commissär ,in engem Vertrauen' mit, dass die erwähnte Weisung 
wie dem Wiener so auch dem Berliner Hofe mitgetheilt worden 
und daher eine Abänderung des kurbraunschweigischen Votums 
um so weniger zu erwarten sei, als das hannoversche Mini 
sterium die ihm von seinem Könige noch jetzt gewährte Frei 
heit rasch zu benützen trachte, bevor derselben das Zustande 
kommen der russisch-englischen Allianz engere Schranken setze. 1 
Ja nicht einmal an der Vereinbarung, dass zunächst blos über 
den ersten Punkt des kaiserlichen Commissionsdecretes sollte 
abgestimmt werden, hielt das hannoversche Ministerium fest. 
Hatte zuvor Ompteda am meisten auf die Erstattung eines vor 
läufigen Reichsgutachtens mit der Aeusserung gedrungen, dass 
österreichischerseits auf einem erschöpfenden bestehen zu wollen, 
zum Beweise dienen würde, dass es nur darauf angelegt sei, 
die Sache im Gange aufzuhalten, so erhielt jetzt (29. Juni) 
Ompteda die Weisung, auf das ganze Hofdecret abzustimmen, 
und das betreffende Votum wich in erheblichen Punkten von 
der ersten Wiener Vereinbarung ab.'- 
Selbst Kurtrier drohte im letzten Augenblicke noch, von 
Oesterreich abzufallen. Denn, wie Lelirbach von Lincker er 
fuhr, war an diesen für Kurtrier und an den Grafen von Oexle 
für Augsburg die Weisung ergangen, da nach den eingelaufenen 
1 Hügel an den R.-H.-V.-K. Colloredo. Regensburg, den 22. Juni 1795. 
2 Desgleichen vom 30. Juni 1795.
	        
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