Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 110. Band, (Jahrgang 1885)

Untersuchungen über die Sprache des Claudianus Mamertus. 
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pro arbitrio, ut plunmum uero a propinquis affectibus deducta 
imponerent 1 . Wie also beispielshalber in dem vollen Namen 
des Sidonius C. Sollius Apollinaris Sidonius der eigentliche Ruf 
name an letzter Stelle sich befindet, so wird dementsprechend 
bei Claudianus die richtige Reihenfolge der Namen Mamertus 
Claudianus sein, wie auch die Ueberlieferung an jenen zwei 
Stellen, an denen sich der Name Mamertus findet, bezeugt. 
Wir haben an einer früheren Stelle (S. 464) berührt, dass 
Claudian und ebenso Sidonius den Verfasser der Aeneis stets 
Maro, den Historiker Sallust stets Crispus nennen. Der Grund 
hiefür ist leicht erfindlich, wenn wir uns die vollen Namen 
P. Vergilius Maro und C. Sallustius Crispus vergegenwärtigen 
und weiters bedenken, dass für die spätere Latinität der zu 
letzt stehende Name als Rufname galt. 
Wir haben in unserer Ausgabe blos zur Vermeidung von 
Missverständnissen die bisher meistgebräuchliche Namenabfolge 
Claudianus Mamertus — man sagt ja für gewöhnlich mit Hin 
weglassung der beiden anderen Namen wohl andi Sidonius 
Apollinaris (so lautet auch die stehende französische Namensform 
Sidoine-Apollinaire) — beibehalten, da der Bruder unseres Schrift 
stellers Mamertus hiess, von dem ein weiterer Name nicht 
überliefert ist (vgl. Sidon. ep. IV, 11. V, 14. VII, 1 mit Sir- 
mond’s Noten). 
Es ist übrigens bemerkenswert!], dass von zwei Brüdern 
der eine Mamertus als Rufnamen, der andere als Vornamen, 
oder wie man es sonst nennen will, hatte. Man würde viel 
mehr erwarten, dass wohl beide den Namen Mamertus führten, 
zu diesem aber noch einen natürlich für beide verschiedenen 
Rufnamen (vgl. bei Sueton die Brüdernamen Salvius Otlio und 
Salvius Titianus, Flavins Vespäsianus und Flavius Sabinus). 
Man wende nicht vielleicht ein, dass auch des Apollinaris 
Sidonius Sohn vom Vater selbst nur Apollinaris genannt wird 
(vgl. z. B. ep. III, 13 und dazu Sirmond’s Note); denn hier 
ist die Sachlage eine ganz verschiedene, da natürlich der 
Vater den Sohn ganz beliebig nennen konnte. Anders ist es 
aber bei Brüdern, wo man meinen sollte, dass eine solche 
Namensähnlichkeit wegen der möglichen Verwechslung ausge 
schlossen war.
	        

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