Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 102. Band, (Jahrgang 1883)

Der Streit um die geistlichen Güter und das Restitutionsedict (1629). 
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Doch je häufiger die Verletzungen des Religionsfriedens 
winden, desto erbitterter wurden aucli die Katholischen, und 
endlich gelang es ihnen doch, das Kammergericht von der Recht 
mässigkeit ihrer Klagen zu überzeugen. Mehrere ihnen günstige 
Urtheile erfolgten. Auf evangelischer Seite erwog man, ob man 
sich diesen Urtheilen unterwerfen solle. Noch handelte es sich 
blos um einige wenige, in dem zunächst vorliegenden Falle um 
vier Klöster; 1 aber die Evangelischen fürchteten nicht mit Un 
recht, dass die Katholiken, durch den ersten Erfolg kühn ge 
macht, mit immer neuen Klagen, vielleicht auch bezüglich der 
mittelbaren Kirchen und Stifter hervortreten würden. Wie, 
wenn man auf diese Weise die Evangelischen zwang, nicht 
nur alle eingezogenen Klöster, sondern auch die seit der Ein 
ziehung bezogenen Einkünfte herauszugeben? Es wurde be 
rechnet, dass dies für die evangelischen Stände den Verlust 
,eines grossen Theiles ihrer Erblande, die Zahlung von etlichen 
Millionen Goldes' bedeuten würde; ,ohne einen Schwertstreich', 
hiess es, ,würden so die Papisten ganze Königreiche erobern'. 2 
So lange es ging, begnügten sich übrigens auch die 
Evangelischen mit jenen Mitteln, welche das übliche Rechts 
verfahren beim Kammergerichte an die Hand gab. Als aber die 
gefällten Urtheile zur Revision kamen und die endgültige Ent 
scheidung, gegen welche dann keine weitere Einwendung mehr 
zulässig war, bevorstand, als es sich zugleich herausstellte, dass 
wegen Verletzung des Friedens zu klagen; da die Beisitzer des Kammer 
gerichts sich darüber nicht einigen konnten, wandten sie sich um Ent 
scheidung an den Reichstag, welcher sie zuerst anwies, sich unter ein 
ander zu einigen (1557), später aber direct zu Gunsten der klagenden 
Mönche entschied (1566). Londorp III, S. 537, 556ff.; I, S. 76 und 79. 
1 Es hatten geklagt: 1. der Carmeliterorden gegen Hirschhorn, 2. der 
Bischof von Speier gegen Baden und Eberstein (wegen des Klosters 
Irauenalb), 3. das Maria Magdalenenkloster zu Strassburg gegen die 
Madt Strassburg und 4. der Karthäuserorden gegen Oettingen (wegen des 
Klosters Christgarten); über die ,Vierklosterfrage 4 handelt sehr ausführlich 
die katholische Streitschrift ,Acta secreta 4 (Londorp IH, S. 478, 480, 
^ 191, 536, 556, 569, 574 und öfter). 
Diese Consequenzen sprach besonders grell Kurpfalz gegenüber Kur 
sachsen aus: Wenn man die Katholischen gewähren lasse, würden bald 
auch die Hohen an die Reihe kommen, und seien sie auch (wie Kur 
sachsen) noch so stark versichert; ganz Deutschland werde man wieder 
katholisch machen wollen u. s. w. Londorp III, S. 437, 453, 583 ff.
	        

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