Full text: Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

Über populäre Anschauungsweisen in der Undulationstheorie. 
569 
etwas nachgelassen hat; wir wartenaber, wie ich glaube, vergebens 
auf einen Newton, der uns ganz allein den Weg zum Ziele zeigen 
soll; es scheint vielmehr, als ob dies nur zu erreichen wäre durch 
das vereinte Zusammenwirken Vieler und zwar Mathematiker sowohl, 
als Experimentatoren, denn, wie gesagt, der Gegenstand ist für den 
Einzelnen zu umfassend, zu überwältigend. 
Wenn aber Mehrere, jeder nach seiner Neigung, im vereinten 
Zusammenwirken nach diesem höchsten Ziele der Wissenschaft 
streben wollen, so sind ihre Bemühungen, der Natur der Sache nach, 
immer mehr oder weniger einseitig; Einseitigkeit wird dann oft die 
Quelle von Irrthümern und darum scheint es erspriesslich, dass bei 
einem jeden neuen gemachten Schritte der das Errungene befesti 
gende Widerspruch sich erhebe. Wenn also irgendwo, so ist vor 
zugsweise auf dem Gebiete der Undulationstheorie, wenn sie uns 
wieder neu erblühen soll in vollkommnerer Gestalt, der Kampf um 
ihre Lehren Bedürfniss, vielleicht conditio sine qua non, und dies 
ist der Grund, warum auch mir der Widerspruch auf diesem Felde 
in so hohem Grade willkommen ist. Ich habe daher, um ihn von 
Seite der obangedeuteten beiden Herren Mitglieder zu beschleunigen, 
denselben, sobald es thunlich war, einen Bürstenabzug meines Auf 
satzes mitgetheilt, es ist aber bisher, zu meinem Leidwesen, unge 
achtet ihrer geäusserten Missbilligung, ein geordneter, wohlbegrün 
deter Widerspruch vor der Classe nicht erfolgt und ich entnehme 
nur Zweierlei aus den Äusserungen, die mir bekannt geworden sind: 
Erstens : meine Theorie wäre unnütz, weil sich ihre Resultate von 
selbst verstehen; Zweitens: ich wagte es nicht, die Discussion dieses 
Gegenstandes, die kaum angehoben hat, fortzusetzen. Ich will zu 
vörderst über diesen letzten Punkt Einiges bemerken. 
Ganz rücksichtsloser Widerspruch gehört in einer jeden guten 
Gesellschaft und umsomehr in derjenigen, vor welcher ich zu 
sprechen die Ehre habe, wie allgemein und mit Recht angenommen, 
zu den Unschicklichkeiten, besonders, wenn ihm die nöthige Begrün 
dung fehlt und desshalb ein leeres Wortgezänke die Folge davon 
ist. Wir haben sogar wohl gethan, dass wir oft bei jüngeren Ta 
lenten, deren Arbeiten die eigentliche akademische Reife noch nicht 
hatten, um sie nicht zu entmuthigen, Nachsicht übten, aber wir alten, 
schwer geharnischten Kämpen machen doch auf eine solche Nach 
sicht keinen Anspruch, sondern verlangen nur, dass der Kampf
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.