Full text: Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

Petzval. Über populäre Anschauungsweisen in der Undulationstheorie. 567 
SITZUNG VOM 21. MAI 1852. 
Vorträge. 
Über die Unzukömmlichkeiten gewisser populärer An 
schauungsweisen in der Undulationstheorie und ihre 
Unfähigkeit das Princip der Erhaltung der Schwin 
gungsdauer zu ersetzen. 
Von dem w. M. Prof. Jos. Petzvnl. 
Ich habe in der Sitzung vom 15. Jänner 1852 der mathema 
tischen Classe die Grundzüge einer neuen, der Undulationstheorie un 
gehörigen Analysis mitgetheilt, die im Wesentlichen eine Ableitungs 
weise enthält ihrer Bewegungsgleichungen, welche aber nicht, wie 
die bekannten Theorien, einen stabilen Gleichgewichtszustand des 
fortpflanzenden Mittels, sondern einen p e rma ne n t gewordenen 
Strümungszustand zu Grunde legt. Offenbar ist dieser Letztere 
der, wenigstens hei flüssigen Medien, in der Natur weit häufiger vor 
kommende und Ersterer davon nur ein seltener specieller Fall, auf 
den übrigens die von mir abgeleiteten Gleichungen ebenfalls passen, 
nachdem sie die Eigenschaft besitzen, sich auf die bekannten C auch y- 
sclien zurückzuziehen, wenn man die Componenten der Strömungs 
geschwindigkeit, die dort u, v, w heissen, der Nulle gleichsetzt. 
Ich habe als Folgerung aus diesen Gleichungen allsogleich ein 
Naturgesetz abgeleitet, das „Gesetz der Erhaltung der 
Schwingungsdauer” genannt, und die Meinung ausgesprochen, 
dass dieses, selbst in den Elementen der Wissenschaft, manche dort 
vorhandene und nach meinem Ermessen ungenügende Anschauungs 
weisen mit Vortheil zu ersetzen geeignet sei. 
Bei dem vorgeschrittenen Stande der Wissenschaft, der es mit 
sich bringt, dass man für jede auftauchende neue Erscheinung also- 
bald eine Erklärung sucht und dann natürlich auch findet, muss eine 
jede neue Theorie entweder den früher bereits bestandenen
	        

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