Full text: Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

Vielfache Brechung eines Lichtstrahles in Kalkspath-Krystallen. 545 
Die oben erwähnten drei Bilder sind stets in einer geraden Linie, 
welche durch das Mittelbild gehend, senkrecht auf zwei, in der Pro- 
jection gezeichneten Seiten des Rhombus stehet. Diese zwei Gegen 
seiten sind bald diese, bald — bei andern Krystallen — jene; was in 
der Folge klar werden soll, wenn das ganze Spectrum entworfen sein 
wird. Diese drei Bilder sind mit einem weissen, mit der Leitlinie zu 
sammenfallenden Streifen, der über sie im Gesichtsfelde weiterläuft, 
verbunden; ausserdem erscheint das Gesichtsfeld noch von drei an 
deren parallelen, weissen Streifen durchschnitten, deren Jeder durch 
ein Bild geht. Ihre Lage ist ebenfalls regelmässig, und zwar immer 
senkrecht auf die anderen zwei Seiten des Rhombus, als der die Bil 
der verbindende Streifen, dieser ist der intensivste, ihm kommt zu 
nächst der das Mittelbild durchschneidende, die beiden anderen sind 
gleich; noch eines neuen weissen Streifens müssen wir Erwähnung 
tliun, der genau längs der Projection der Hauptaxe — als kurze 
Diagonale des Rhombus — dahinläuft. Bei sehr intensiv leuchtendem 
Punkte tritt um jedes Bild ein strahliger Schein hervor, der bei Ver 
suchen mit dem Sonnenlichte aus unzähligen farbigen Punkten und 
Streifchen zusammengesetzt erscheint, deren Hauptfärbung sich nach 
der Farbe richtet, welche in der prismatischen Farbenreihe seines 
zugehörigen Bildes am meisten hervortritt. 
Das vollständigere Spectrum zeigt sich, wenn in allen vüer, vom 
Mittelbilde auf die Seiten des Rhombus gefällten Perpendikeln ein Bild 
erscheint. Jedes dieser Bilder hat in Bezug auf Farbenanordnung und 
Streifendurchkreuzung genau dieselben Eigenschaften, wie sie eben 
beschrieben wurden. Zumeist tritt noch zu beiden Seiten, dort wo 
die weissen Streifen der Seitenbilder die Verticallinie — Nebenaxe 
— gemeinschaftlich schneiden, ein neues den früheren ganz analoges 
Bild zum Vorschein; ergänzet das Spectrum und ist jenes am meisten 
vorkommende, Fig. 2. 
Die Entfernung der Seitenbilder vom Mittelbilde ist abhängig 
von der Entfernung des leuchtenden Punktes vom Krystalle und be 
trägt deren zehnten Theil. Versieht man etwa das eine Ende eines 
Meterstahes mit einem leuchtenden Punkte, gibt ihm bei oben fixirter 
Stellung des Krystalles die gehörige Lage •—• Neigung von 37 - 25° 
gegen den Horizont — in einer auf die Sehlinie senkrechten Ebene 
und betrachtet ihn durch den Krystall in der Entfernung eines Centi- 
meters, fällt das Bild mit dem ersten Millimeterstriche überein, ent-
	        

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