Full text: Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

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Bibra. 
und Diorite, stets dunkel gefärbt und basaltähnlicli. Granitisches und 
syenitisches Gestein ist nicht selten jenen plutonischen Formen auf 
gelagert. Eine furchtbare Brandung, welche fast allenthalben an der 
bezeichneten Küste stattfindet, bildet eine würdige Grenze zwischen 
der Felsenwüste von Atakama und der endlosen Fläche des stillen 
Oceans. 
Jene bewässerten Schluchten, die nicht selten fast ganz mit der 
üppigsten Vegetation ausgefüllt sind, und welche die Küste von Chile 
an manchen Stellen so reitzend machen, fehlten fast gänzlich an dem 
wasserleeren Gestade von Bolivien. Als einzige Ausnahme tritt die 
Schlucht von Mamilla auf, welche einige Stunden von der Algodon- 
Bai gegen Norden liegt. Dort stehen Feigenbäume von mächtiger 
Grösse, und der Baumwollenstrauch gedeiht gut neben anderen süd 
lichen Formen der Pflanzenwelt. Aber jene Flora ist oft buchstäblich 
nur auf einige Schritte in die Breite beschränkt und schroff abge 
schnitten von nacktem unfruchtbarem Gestein. Eine kleine Quelle, 
die etwa 1200' hoch im Küstengebirge entspringt, bedingt den 
Pflanzenwuchs jener Schlucht, und nur so weit ihre befruchtende 
Kraft reicht, findet sich Dammerde und Fruchtbarkeit. 
So wird sich der Botaniker, der allein des Sammelns halber jene 
Küste betritt, wenig erbaut finden. Denn ausser der spärlichen Flora, 
die sich in einzelnen Exemplaren hie und da an der Küste findet und 
durch wenig mehr als einige Species von Salsola und Halana re- 
präsentirt ist, und ausser dem riesigen Cactus, der auf dem höheren 
Tlieile des Gebirges lebt, wird er nur eine geringe Ausbeute er 
werben. 
Der gänzliche Mangel an Begen, der an jenen Küsten herrscht, 
und mithin das allenthalben fehlende Wasser, trägt ohne Zweifel die 
Schuld dieser Unfruchtbarkeit. Dies beweist zur Genüge die ver- 
hältnissmässig reiche Vegetation der Schlucht Mamilla. Ich glaube 
nachgewiesen zu haben, dass diese Verhältnisse, wie sie jetzt beste 
hen, seit Menschengedenken bestanden haben, und was die Regen 
losigkeit der Küste betrifft, seit der Hebung derselben. 
Mächtige Ströme aber, wilde, reissende Wasser haben früher, 
zur Zeit einer gewaltigen Katastrophe das Land durchschnitten und 
an einzelnen Stellen der Küste sich ins Meer gestürzt. Tiefe Fluss 
bette, die die Wüste von Atakama häufig durchschneiden, geben 
hievon Zeugniss. Dort zeigen sich Felsschluchten und grosse abge-
	        

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