Full text: Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

Iß 
Prof. F. Rochierte r. 
sei, nicht dass die Säuren durch Abscheidung von Sauerstoff Und 
Aufnahme von Kohle und Wasserstoff direct in Zucker oder Gummi 
übergehe, sondern in der Weise, dass sie durch Aufnahme von 
Kohlensäure und Wasser Unter Ausscheidung von Sauerstoff immer 
complexer werden und endlich in zwei minder complexe Atome 
zerfallen. 
Die Producte, welche neben dem Kohlehydrate entstehen, kön 
nen Bitterstoffe, Farbstoffe, u. s. w. sein. Auch diese Materien ver 
danken, wie sich hieraus ergibt, dem Zerfallen dieser eomplexen 
Atome organischer Säuren, ihre Existenz. 
Bei dieser Bildung complexer Atome, die noch den Charakter 
schwacher Säuren besitzen, bleibt jedoch nicht in allen Pflanzen 
der Process der Desoxydation stehen. Dr. Willigk hat bei einer 
Untersuchung des Ledutn palustrc, die er im hiesigen Laboratorium 
begann, einen Stoff gefunden, der eben so wenig als Salicin oder Phlor 
rhizin, den Charakter einer Säure besitzt, der mit verdünnten Mi 
neralsäuren erwärmt, nebst anderen Producten ein ätherisches Oel 
liefert, was in die Classe der zahlreichen Oele gehört, die mit dem 
Terpentinöl in naher Beziehung stehen. Dr. Hlasiwetz hat in den 
Samen mehrerer Umbelliferen einen neutralen Körper aufgefunden, 
der mit salzsäurehaltigem Wasser erwärmt, ein nach Terpentinöl 
und Lavendel riechendes Oel liefert. 
Bei fortgesetzten Untersuchungen wird sich die Anzahl dieser 
merkwürdigen Körper fortwährend vermehren. 
Die Bildung der sauerstoffarmsten Verbindungen und den gänz 
lich sauerstofffreien, der ätherischen Oele geht demnach wie die des 
Zuckers, der Bitterstoffe, Farbstoffe u. s. w. durch Zerfallen von 
complex zusammengesetzten Stoffen vor sich, die als Producte eines 
fortgehenden Desoxydationsprocesses organischer Säuren unter be 
ständiger Aufnahme von Kohlensäure und Wasser angesehen werden 
müssen. 
Es ergibt sich hieraus die Wichtigkeit des Studiums der organi 
schen Säuren für die Lehre vom Stoffwechsel in den Pflanzen. Es ist 
klar, dass von diesem Studium die höher zusammengesetzten Säuren 
nicht ausgeschlossen werden können, weil sie, wie die Gerbsäuren, 
nicht krystallisiren, sich leicht zersetzen und keine wohlcharakteri- 
sirten Salze mit Basen bilden. So angenehm und erleichternd solche 
Eigenschaften bei zu untersuchenden Körpern sind, so kann die
	        

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