Full text: Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

(T<*J>m* die natüiliche Familie der Hnlriuceuc. 
15 
dass sie nicht durch Desoxydation eine aus der anderen entstehen 
sollten. 
Wenn durch fortgesetzte Aufnahme von Kohlensäure und Wasser, 
deren Sauerstoff ganz oder theihveise unter Mitwirkung des Lichtes 
ausgeschieden wird, aus den eiufuchst zusammengesetzten knhlen- 
und wasserstotfarmen, sauerstotfreichen Säuren sich nach und nach 
immer kohlen- und wasserstoffreichere, sauerstoffarmere Verbindun 
gen bilden, so ist es die natürliche Folge, dass complexe Atome ent 
stehen, die durch Veranlassungen zerfallen, denen die minder com- 
plexen Atome, aus denen sie entstanden, widerstehen konnten. 
Je complicirter die Zusammensetzung einer Materie ist, je höher i hr 
Atomgewicht, desto leichter zerfällt sie, indem die Elemente, die lose 
nach vielen Seiten augezogen werden, einer von aussen gegebenen Rich 
tung folgend, sich in neue Gruppen von grösserer Beständigkeit ordnen. 
Es entstehen also zuerst Säuren von einfacherer Zusammen 
setzung und grösserem Sauerstoffgehalt aus diesen complexeren Säu 
ren, die sauerstoffarmer sind. Mit dieser Zunahme ihres Kohlen- und 
VVasserstoffgehaltes mit der Abnahme an Sauerstoff, mit der Ver- 
grösserung ihres Atomgewichtes, verlieren diese Körper theihveise 
ihreirCharakter als Säuren, sie schmecken nicht mehr sauer, son 
dern zusammenziehend wie die Gerbsäuren, bitter wie die Cai'nea- 
säure, oder sind geschmacklos, wie die Ruberylhrinsäure. 
In gleichem Maasse nimmt ihre Affinität gegen Basen ab, sie 
werden durch die einfacheren Säuren aus ihren Verbindungen mit 
Basen ausgetrieben. 
Nachdem diese schwachen complexen Säuren sich gebildet 
haben, zerfallen sie, z.B. die Caüncasäure in Zucker und einen Bitter 
stoff; die Chinovasäure, die Chinovagerbsäure und Buberythrinsäure 
in Zucker und einen Farbstoff, Chinovaroth und Alizarin. 
Dass diese Spaltung in ein Kohlenhydrat und einen zweiten Kör 
per auch in dem Organismus der Pflanze vor sich gehe, zeigen die 
Untersuchungen der Pflanzen. Wir finden in der Wurzel des Krappes 
die Ruberylhrinsäure neben Alizarin und Zucker, die daraus ent 
standen sind, wir treffen in der Chinanovarinde neben der Chinova 
gerbsäure das Chinovaroth, die Rinde ist der Gährung fähig durch 
ihren Zuckergehalt. 
Ich glaube nach allem dem, dass die Ansicht von Liebig über 
die Entstehung der Kohlenhydrate der entgegengesetzten vorzuziehen
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.