Full text: Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

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Brücke. Farhcnwechsel der C'ephalopoden etc. 
mattgelbliclie oder bräunliche Punkte, von einem dunkleren Rande 
umgeben. 
Nachdem diese Thatsachen ermittelt sind, lassen sieb folgende 
Ärmlichkeiten und Unterschiede aufstellen zwischen dem Chamäleon 
und dem Octopus, der schon von den Alten unter dem Namen noXOnoug 
seines Farben Wechsels wegen immer neben diesem genannt wird. 
1. Bei beiden Tlderen sind die Farben, welche sich zeigen, 
theils Interferenzfarben, theils rühren sie von Pigmenten her, aber 
beim Chamäleon werden die Interferenzfarben durch Epidermiszellen 
erzeugt, welche als solche über den Pigmentzellen liegen, während 
sie beim Octopus von Flittereben herrühren, die in der Cutis unter 
den Pigmentzellen liegen. 
2. Bei beiden Thieren kommen zwei Pigmente vor, ein helles 
und ein dunkles, aber beim Chamäleon decken sie die ganze Ober 
fläche, beim Octopus sind ihre Zellen nur mehr oder weniger dicht 
unter der Oberfläche gesäet und werden in beträchtlichen Strecken 
derselben ganz vermisst. 
3. Bei beiden Thieren ist das dunkle Pigment das bewegliche, 
das helle das ruhende, aber die Art der Bewegung ist bei beiden 
verschieden. Während beim Octopus die Gestalt der Zelle auch 
immer die Gestalt des in ihr enthaltenen Pigmentes darstellt, indem 
dieses überall in ihr vertheilt ist, können beim Chamäleon bedeutende 
Portionen der weitverzweigten Zelle ganz von Pigment entleert werden. 
Beim Chamäleon kann das dunkle Pigment sich völlig hinter dem 
hellen verstecken und dann wieder hervortreten, um seinerseits das 
helle vollständig zu verdecken; beim Octopus dagegen verschwindet 
das dunkle Pigment nie ganz, sondern zieht sich nur das eine Mal in 
kleine, die Haut wenig färbende Klümpchen zusammen, während es 
das andere Mal, in breite flache Schollen ausgedehnt, die Farbe der 
selben bedeutend verdunkelt. 
4. Bei beiden Thieren kann man den Farbenwechsel hervorrufen, 
indem man elektrische Ströme als Hautreiz einwirken lässt, aber bei 
dem Chamäleon weisen sie den hellfarbigen, beim Octopus den 
dunkelfarbigen Zustand als den activen nach.
	        

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