Full text: Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

Farbenwechsel bei den Cephalopnden und bei den Chamiileonen. 199 
Schon aus der Abbildung von Carus 1 ) war es mir unwahrschein 
lich geworden, dass alle Farben des Thieres von diesen beiden Pig 
menten herrühren sollten. Noch mehr war dies der Fall, als ich das 
Thier im frischen Zustande vor mir sah. Ich bemerkte nämlich, dass 
es im eigentlichen Sinne des Wortes opalisirte, das heisst, dass unter 
seiner triibweisslich durchscheinenden Oberfläche wie beim Edelopal 
mannigfache Farben, namentlich schön grüne und blaue Tinten, 
hervorschimmerten. Die mikroskopische Untersuchung der Haut im 
auffallenden Lichte belehrte mich bald über die Ursache derselben. 
In ihr waren nach unten von den Pigmentzellen zahllose, sehr kleine 
Flitterchen eingestreut, welche die lebhaftesten und verschiedenar 
tigsten Farben reflectirten. 
Es ist mir nicht zweifelhaft, dass diese Farben Interferenzfarben 
dünner Blättchen sind. Erstens spricht dafür der ausserordentliche 
Glanz und die Lebhaftigkeit der Farben, und zweitens der Umstand, 
dass alle Farben, welche hier Vorkommen, einer bestimmten Abtei 
lung der Farbenscala entnommen sind; es sind nämlich keine anderen 
als die des dritten Newt o n’schen Ringsystemes , welche vom Yiolet 
aufwärts bis zum Roth vollständig und in allen Abstufungen vertreten 
sind. Namentlich waren an meinem Exemplare häufig blaue, meer 
grüne, grasgrüne und gelbgrüne Füttern. Die complementären Far 
ben bei durchfallendem Lichte konnte ich zwar nicht zur Anschauung 
bringen, es erklärt sich dies aber aus der ausserordentlichen Klein 
heit der Füttern. Man muss sich erinnern, dass wenn wir mitunsern 
zusammengesetzten Mikroskopen die Gegenstände bei durchfallendem 
Lichte untersuchen, unsere Netzhaut kein Bild derselben im gewöhn 
lichen Sinne des Wortes empfängt, sondern der Schatten des Objects 
auf sie geworfen wird. Wenn nun auch der Effect der Beugung bei 
grösSeren Gegenständen so gering ist, dass er nicht wahrgenommen 
wird, so kann er doch bei einem so kleinen Objecte, wie das in Rede 
stehende, die optischen Eigenschaften desselben sehr wohl verdecken. 
Vielleicht mochte auch die Intensität der im durchfallenden Lichte 
interferirenden Wellenzüge so verschieden sein, dass die Farbe an 
sich nur sehr schwach ausfallen konnte. Desshalb sah man die Füt 
tern, wenn sie von unten beleuchtet waren, nur als einzelne helle, 
1 j Nova Acta naturae curiosuin XII. P. 7, />. 319.
	        

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