Full text: Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

Unger. Ueber Vaucheria clavata Agdh. 
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chenreihe nach rückwärts zieht, um an der oberen Wand des Herz 
beutels sieb in zwei Züge zu spalten, welche in die beiden Cavae 
(Ductus Cuvieri) einmünden. Der rechte Zug ist stärker, und stellt 
eigentlich ein dickstämmiges Geflecht dar, während der linke, als 
einfaches venöses Gefäss, zu seiner Einmündungsstelle zieht. Die 
Knochentische Silurus, Gadus, Cyprinus, Salrno, Esox, Cobitis 
besitzen dieses Yenengeflecht, entbehren aber der Schilddrüse. Das 
Yenengeflecht stammt hei ihnen aus den am Unterkiefer haftenden 
Weiehtheilen, hei Silurus glanis auch aus dem Seitentheil des 
Gesichtes. 
Ueber Vaucheria clavata Agdh. 
Von dem w. M. Prof. F. Unger. 
Ich erlaube mir die verehrliehe Classe der Akademie auf ein 
Wesen aufmerksam zu machen, das schon vor mehreren Jahren der 
Gegenstand meiner sorgfältigen Untersuchungen war 1 ), das mir aber 
neuerdings wieder Gelegenheit gegeben hat, dieselben in mehrfacher 
Weise fortzusetzen, — ich meine die Vaucheria clavata Agdh. 
Diese Alge, welche einer meiner Schüler in der Nähe von Wien 
wieder auffand, wo ich sie vor 27 Jahren das erste Mal sah, ist 
jedenfalls geeignet, die Aufmerksamkeit des Physiologen im hohen 
Grade zu fesseln, da sie zu den wenigen Pflanzen gehört, welche 
die scharfe Grenzscheide zwischen Pflanzenwelt und Thierwelt nicht 
bloss zu verrücken, sondern gänzlich aufzuheben scheint. 
Das Eigenthümliche dieser Pflanze ist, dass ihre Sporidien 
oder Fortpflanzungszellen nicht wie bei andern Algen und niederen 
Gewächsen überhaupt nach einem kürzeren oder längeren Ruhestande 
zu keimen beginnen, und so die Pflanze, von der sie abstammen, 
wieder erzeugen, sondern dass sie mit der vollen Reife und ihrer 
Trennung vom Mutterkörper Rewegungen ausführen, — Rewegungen, 
wie wir sie nirgends in dem Reiche der willenlosen Pflanzen wahr 
nehmen. Erst nachdem sich auf solche Weise das Sporidium den 
Ort seiner Ruhe ausgesucht hat, tritt die Keimung ein, welche un 
aufhaltsam in die weitere Entwickelung der Pflanze übergeht. Dieser 
bewegliche Zustand der Sporidie ist daher kein bleibender, sondern 
’) Die Pflanze im Momente der Thierwerdung. Wien 1813.
	        

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