Full text: Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 6. Band, (Jahrgang 1851)

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Professor Unger las eine für die Denkschriften bestimmte 
Abhandlung „die Pflanzenwelt der Jetztzeit in ihrer 
historischen Bedeutung” und übergab folgenden Auszug 
derselben. 
Der Pflanzenschatz der Erde, so weit derselbe im Allgemei 
nen bisher bekannt ist, fordert den tiefer gehenden Beobachter zu 
mancherlei Betrachtungen auf. Einerseits ist es der Umfang und der 
Inhalt desselben, welche nach ihren ursächlichen Momenten er 
forscht sein wollen, andrerseits die Vertheilung desselben über die 
Oberfläche der Erde und der eigentliche Zusammenhang, in dem er 
mit dieser steht. 
Es genügt nicht, die Gesammtheit der Pflanzen unter irgend 
einem Schema zusammengefasst, den dermaligen Bestand der Ve 
getation in seinem allgemeinsten Verhältnisse zum Klima, Bo 
den u. s. w. aufgefasst zu haben; das weiter dringende Erkennt 
nisvermögen des Menschen will sich auch des letzten Grundes der 
Erscheinungen bewusst werden, es will sowohl die wahre Einheit 
in der Gruppirung der Pflanzenwelt, als den letzten ursächlichen 
Zusammenhang derselben mit der Oberfläche der Erde erkannt 
haben. 
Die Systematologie und die Pflanzen-Geographie haben die Lö 
sung dieser Aufgabe zwar angestrebt, allein noch keineswegs voll 
endet. Hier soll vorerst nur die Lösung der Bedeutung des Inhaltes 
der gegenwärtigen Pflanzenwelt versucht werden. 
Da diess nur durch das Studium der Entwicklungsgeschichte 
der Pflanzenwelt möglich ist, und die hiezu vorhandenen Daten in 
derPaläontologie liegen, so musste die Flora der Vorwelt nach allen 
ihren Entwicklungsstadien erforscht werden. Dies geschah dadurch, 
dass mit Benützung der in den generibus et speciebus plantarum 
fossilium niedergelegten Arbeiten und der seit 1848 erschienenen 
Schriften und Abhandlungen, welche sich auf 20—30 belaufen, eine 
neue Aufzählung sämmtlicher bisher bekannter fos- 
silerPflanzenarten nach den Hauptperioden derSchö- 
pfung zu Stande gebracht wurde. Die numerischen Verhältnisse, 
welche sich sowohl daraus als aus einer ähnlichen Zusammenstel 
lung sämmtlicher Pflanzenarten der Jetztzeit ergeben, sind in nach 
stehender Tabelle ersichtlich gemacht; für die Flora der Jetztzeit 
sind vorzüglich nach Lindley’s Angaben 92,GG2 Pflanzenarten den
	        
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