Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 16. Band, (Jahrgang 1855)

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Dr. Karl Hopf. 
erklärte Petronilla zu Venedig, sie habe mit Francesco Crispo einen 
Vergleich eingegangen, kraft dessen sie gegen eine jährliche Geld 
zahlung ihre weiteren Ansprüche aufgeben wolle; der neue Herzog 
aber halte das Versprechen nicht und verweigere ihr die weiteren 
Summen. Als ihr Vertreter erschien ihr Gatte; Jacopo Crispo sandte 
dagegen den Pietro Zeno von Andros, seinen Schwager, den er für 
diese Mission als durchaus befähigt ansah, nach Venedig. Der Senat 
entschied nun am 27. Februar 1402 *) dahin, dass die Geldzah 
lungen, bei Strafe von 5000 Ducaten durch obigen Vertrag festge 
stellt, auf 1800 Ducaten zu reduciren seien, d. h. für die rückstän 
digen Gelder solle diese Summe als Abfindung dienen, in Zukunft 
aber bei erneuter Strafe von 5000 Ducaten, deren eine Hälfte Petro-' 
nilla, deren andere der Republik zufallen solle, die jährliche Ent 
schädigung regelmässig erfolgen. Crispo gelobte, sich diesem Be 
schlüsse zu fügen; wie er ihn ausführte, werden wir weiter sehen. 
Um dieselbe Zeit finden wir Gasparo de Sommaripa der 
mit seiner Gattinn Maria Sanudo die Insel Paro s besass, zum letzten 
Male genannt. Zwar erzählt Sauger 2 ), er sei, unzufrieden mit 
Crispo’s Benehmen, nach Venedig gegangen und habe sich, als er 
eben so wenig dort, wie bei dem Herzoge Ludwig von Bourbon, einen 
der zahlreichen Titularfürsten von Achaia damaliger Zeit, Hilfe 
gefunden, sich an den Herzog Giovan Galeazzo Visconti von Mailand 
gewandt, der ihm Unterstützung verliehen und ihn zu seinem ersten 
Minister erhoben habe; ja er führt sogar an, der Herzog habe durch 
einen Erlass vom 28. Juni 1401 eine Rüstung zu seinen Gunsten 
gegen Jacopo I. Crispo angestellt. Allein bei der notorischen Fabel 
sucht des Verfassers der Histoire nouvelle lässt sich diesem Berichte 
kein Glaube beimessen. Besseren Nachrichten zufolge 3 ) begab er 
sich erst im Juli des Jahres nach Mailand, mit dessen Herzogen die 
Familie Sommaripa in mannigfacher Verbindung stand; abenteuer 
lustig und empört über Venedigs Verfahren, stiess er bei demselben 
verletzende Schmähungen gegen die Republik aus; bald kam er in 
den Verdacht, als wolle er nach Kandia gehen und den dort inter- 
nirten Azzo von Este befreien. Daher ward den Rectoren von Kandia, 
!) Misti. Tom. XLV. fol. 449, a. 
2 ) 1. 1. pag. 330—337; Buchon in der Revue de Paris. 1. 1. Tom. V. pag. 277 sq. 
3 ) Lichtle histoire de Naxie. Ms.
	        
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