Full text: Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 1. Band, (Jahrgang 1848)

und die Frauen-Höhle. 
141 
broclien, von etwas über vier Zoll Durchmesser in jeder Richtung 
lässt folgendes Gefüge erkennen. Zuerst sieht man im Querbruche 
einen Kern von 2% Zoll Durchmesser, der aus reinem, gelb- 
Fig. l. lichweissen, halbdurchsichtigen Kalkspathe be- 
A steht. Die Thcilungsflächen sind etwas concav 
gekrümmt, und zwar dergestalt, dass die ganze 
krystallinisclie Masse als von einem einzigen 
Individuum ausgehend, betrachtet werden kann, 
dessen innerster, der Axe A B zunächst liegender 
Kern nahe in aufrechter Stellung die Spitze des 
Rhomboeders von 10S° ö' zu oberst und unterst 
liegt. 
Es verdient alle Beachtung, dass jederzeit die concave Seite 
der Theilungsflächen oben, die convexe Seite unten ist, so wie es 
in Fig. 1, in einem Ideal-Cylinder, als Vorstellung des Stalaktits 
erscheint. Die Axcn der unmittelbar an jene Kernlinie anschliessen 
den kleinsten Theilchen divergiren gegen unten zu, das heisst 
in der Richtung, wo das Ende des Tropfsteins sich gegen den 
äusseren freien Raum abrundet, und also auch die senkrecht auf 
die kugelförmige Oberfläche stehende Richtung der einzelnen Theil 
chen mehr erklärlich ist. Diese Lage der Theilungsflächen lässt, 
wo immer sie an einem Kalktropfsteine vorkommt, jederzeit unzwei 
felhaft die Lage erkennen, welche demselben in der Natur eigen 
war, selbst abgesehen von der Verjüngung, welche gewöhnlich von 
dem oberen gegen das untere Ende Statt findet. Um den unregel 
mässig rund begrenzten liochkrystallinischen Kern des Tropfsteins 
folgen sich nun im Durchschnitte zahlreiche Abwechslungen con- 
centrischer Zuwachsstreifen von geringerer und wieder zunehmen 
der Durchsichtigkeit, grösstentheils mehr gelblich gefärbt. Sie 
sind durch meistens ganz zarte Abwechslungen von Kalkschichten 
hervorgebracht, doch kommen hin und wieder auch etwas dickere 
vor, bis über einen halben Zoll Stärke. Durch einige, selbst der nahe 
undurchsichtigen geht die Krystall-Structur fast ungestört fort, so 
dass daselbst nur die Theilungsflächen gestreift erscheinen. Weiter 
hinaus finden sich zwischen mehreren der Zuwachsschalen, um es 
so auszudrücken, Räume, die nicht mit ganz dicht-krystallisirtem 
Kalkspathe erfüllt, sondern mehr porös sind, kleine Drusenräume 
enthalten, und überhaupt eine viel weniger feste Consistenz zeigen
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.