Full text: Nuntiatur des Germanico Malaspina, Sendung des Antonio Possevino

XVII 
angelegenheilen, informiert . 4S ) Besonders eingehend wurden die Ereignisse 
am Brücker Generallandtag (1578) erörtert, wobei Schranz betonte, daß 
die Einbeziehung der Städte in die Religionskonzession von Erzherzog 
Karl nicht gewährt worden sei, sondern daß dies nur auf Grund einer 
falschen Interpretation der landesfürstlichen Erklärung durch die evan¬ 
gelischen Stände behauptet wurde; alle Geheimen Räte — evangelische 
und katholische — hätten sich dazu bekannt und das von ihm darüber 
verfaßte Protokoll unterschrieben . 47 ) 
Von Anfang an beschäftigte sich Malaspina mit den trostlosen 
kirchlichen Zuständen auf den reichen bambergischen Besitzungen in 
Kärnten, die vom Protestanten Hans Friedrich Hoffmann als Vizedom 
verwaltet wurden und ein Refugium der Häretiker waren.* 8 ) Er betrieb 
bei Erzherzog Karl und über den Nuntius in Prag, seinen entfernten 
Verwandten Orazio Malaspina, am Kaiserhof die Entfernung Hoffmanns 
als Voraussetzung für die Wiederherstellung der Kirche in KärntenM) 
Trotz aller Beschuldigungen gelang ihm dies während des in diesem Band 
behandelten Zeitraumes nicht. 
In Innerösterreich war es nicht nur nicht möglich gewesen, das 
gemäß dem Augsburger Religionsfrieden dem katholischen Landesfürsten 
zustehende Recht, die Konfession des Landes zu bestimmen, durchzu¬ 
setzen, sondern es war vielmehr den mehrheitlich evangelischen Ständen 
gelungen, bedeutende religiöse Freiheiten zu erlangen. Wesentlich beige¬ 
tragen hat zu dieser Entwicklung die unmittelbare Türkengefahr, zu deren 
Abwehr der Landesfürst auf die Geldbewilligungen des mehrheitlich evan¬ 
gelischen Adels angewiesen war. Mehrere Male mußte Erzherzog Karl 
unter dem Druck der Umstände Geldbewilligungen des Landtages mit 
religiösen Konzessionen erkaufen. 80 ) Den Höhepunkt in dieser Hinsicht 
bildete der Brücker Generallandtag von 1578, der auf die benachbarten 
katholischen Fürsten und auf Rom so alarmierend wirkte, daß die Nun¬ 
tiatur Graz errichtet wurde. 51 ) 
Die Stützung Erzherzog Karls gegen weitere religiöse Forderungen 
der Protestanten und der Widerruf der bereits gewährten Religionskon¬ 
zession war eine der Hauptaufgaben Malaspinas. Wiederholt erinnerte er 
Erzherzog Karl an die Gewissenspflicht des Landesfürsten, für das Seelen- 
■’ 6 ) Nr. 12, 13 und 14. 
") Nr. 14, Anm. 20. 
48 ) Nr. 3 und 6. 
*°) Nr. S und 9. 
50 ) Vgl. Loserth, Reformation und Gegenreformation, S. 247 ff. 
51 ) Vgl. oben S. XI f.
	        

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