Full text: Nuntiatur des Germanico Malaspina, Sendung des Antonio Possevino

XIV 
in Graz. 30 ) Nach der Rückkehr Caligaris nach Rom im Jahre 1587 blieb 
die Nuntiatur Graz, die durch die beiden ersten Nuntien schon als 
ständig empfunden worden war, mehrere Jahre unbesetzt, bis im Jahre 
1592 Girolamo Portia, Bischof von Adria, als neuer Nuntius gesandt 
wurde, der sich aber zuerst in Bayern aufhielt und erst 1593 seine Tätig¬ 
keit in Graz aufnahm 31 ) Ihm folgten 1606—1610 Giovanni Saivago, 
Bischof von Luni-Sarzana, 33 ) 1610—1613 Pietro Antonio da Ponte, 
Bischof von Troia, 33 ) und schließlich 1613—1622 Erasmo Paravicini, 
Bischof von Alessandria 3i ) 
Vom zeitweiligen Aufenthalt eines Nuntius zu besonderem Anlaß 
(Martinengo) über die Mitakkreditierung des Nuntius für Süddeutsch¬ 
land (Portia und Ninguarda) bei Erzherzog Karl von Innerösterreich 
führte der Weg zur eigenen Nuntiatur Graz. Aber nicht wegen einer be¬ 
sonderen Bedeutung des Grazer Hofes — in dieser Hinsicht war München, 
das keinen eigenen Nuntius bekommen hatte, viel wichtiger gewesen —, 
sondern wegen der in Rom mit größter Sorge verfolgten innerpolitischen 
und religiösen Entwicklung Innerösterreichs zu einem evangelischen 
Ständestaat, der wirkungsvoll entgegenzutreten dem katholischen Landes¬ 
fürsten allein nicht mehr zugetraut wurde, und auch wegen der dauernden 
Türkengefahr, wurde die Nuntiatur Graz errichtet. 
Der Amtsbereich des Nuntius in Graz umfaßte Innerösterreich 
(Steiermark, Kärnten, Krain, die Windische Mark, Görz, Triest, Fiume 
und einen Teil Istriens). Dazu kam praktisch noch die staatsrechtlich 
nicht zu Innerösterreich gehörige Militärgrenze von Ungarn bis zur Adria. 
Nach der Wahl des innerösterreichischen Landesfürsten Ferdinand II. 
zum Kaiser und dessen Übersiedlung nach Wien (1619) blieb die Nun¬ 
tiatur in Graz zunächst ebenso wie die innerösterreichische Regierung 
weiterbestehen. Erst 1622 wurde Erasmo Paravicini abberufen und die 
1580 errichtete Nuntiatur Graz nicht mehr besetzt. Allerdings waren 
inzwischen wesentliche Voraussetzungen, die seinerzeit die Entsendung 
von Nuntien geboten erscheinen ließen, beseitigt: Die Macht des evan¬ 
gelischen ständischen Adels war gebrochen und damit der katholische 
Landesfürst und Rom von ihrem gefährlichsten Gegner im Ringen um 
30 ) Rainer, Quellen zur Geschichte der Grazer Nuntiatur, S. 75 f.; Reichen¬ 
berger, Nuntiaturberichte II/1, S. 431 — 467. 
31 ) Rainer, Quellen zur Geschichte der Grazer Nuntiatur, S. 76 /.; Schuster, 
Fürstbischof Martin Brenner, Beilage S. 1 — 16. 
33 ) Rainer, Quellen zur Geschichte der Grazer Nuntiatur, S. 77 f. 
33 ) Ebenda, S. 78 f. 
34 ) Ebenda, S. 79 — 81.
	        

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